Warum die Spree uns alle angeht

1. Spreewasser ist unser Trinkwasser

Fast zwei Drittel des Berliner Trinkwassers stammen aus der Uferfiltration von Spree und Havel. Die Spree ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – kein Nebenschauplatz, sondern Grundlage unserer Trinkwasserversorgung.

👉 Wer die Spree gefährdet, gefährdet unser Trinkwasser.

2. Das Spreewasser wird knapper – und dreckiger!

Die Spree verliert durch die Klimakrise deutlich an Wasser:

  • längere Hitzeperioden führen zu höherer Verdunstung
  • verstärkt auftretender Starkregen fließt oberirdisch ab, statt im Boden gespeichert zu werden.
  • Berlin/Brandenburg ist eine der niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands – durch die Dürreperioden der letzten Jahre ist das Grundwasser massiv gesunken.
  • Unregelmäßigerer Niederschläge führen zu mehr Wasserverbrauch durch Bevölkerung (wächst konstant), Landwirtschaft und Industrie.

Gleichzeitig verschlechtert sich die Wasserqualität:

  • Eisenhydroxid und Schwefelsulfat aus den Tagebauen in der Lausitz gelangen ins Spreewasser; Sulfatwerte liegen teils über dem Trinkwassergrenzwert von 250 mg/l
  • Pestizide aus der Landwirtschaft & Arzneimittelrückstände aus der Stadt gelangen ins Wasser
  • jährlich fließen bis zu 7 Milliarden Liter ungeklärtes Mischwasser aus Berlins Kanalisation in die Spree

👉 Weniger Wasser in der Spree bedeutet eine höhere Schadstoffkonzentration – ein Risiko für Mensch und Ökosystem.

Künstlich stabilisiert – und jetzt doppelt unter Druck

Seit dem 19. Jahrhundert wird für den Braunkohleabbau in der Lausitz großflächig Grundwasser abgepumpt. Ein Teil dieses Wassers wurde in die Spree geleitet. In trockenen Sommern macht dieser künstliche Zufluss einen erheblichen Anteil des heutigen Spreewassers aus.

Wichtig ist: Dieses Wasser ist kein natürlicher Zufluss, sondern das Ergebnis einer massiv eingreifenden Industriepraxis, die den regionalen Wasserhaushalt über Jahrzehnte geschädigt hat. Die Spree wurde dadurch künstlich stabilisiert – auf Kosten von Grundwasser, Landschaft und Wasserqualität.

Mit dem (viel zu späten) Kohleausstieg 2038 endet dieser künstliche Zufluss. Damit wird sichtbar, wie abhängig die Spree von dieser historischen Fehlentwicklung geworden ist.
Gleichzeitig plant der Braunkohlekonzern, die riesigen Tagebaugruben mit Wasser zu füllen. Die entstehenden großflächigen Seen führen zu hoher Verdunstung. Dieses Wasser geht dem Flusssystem dauerhaft verloren.

👉 Die Spree verliert damit nicht nur einen künstlichen Stabilisierungsfaktor – sie verliert Wasser auf Dauer.
Im Sommer könnte der Abfluss um bis zu ein Drittel sinken, langfristig sogar deutlich stärker.[1]

Gleichzeitig wirkt der Tagebau weiter nach: Bis zum Ende des Abbaus wird der regionale Wasserhaushalt weiter belastet, und das Spreewasser bleibt durch Eisen- und Sulfateinträge beeinträchtigt.

3. Wasserknappheit ist politisch gemacht!

Bisher werden Haushalte zum Wassersparen angehalten und nicht die Konzerne, die Hauptverursacher der Wasserkrise. Die Debatte über individuelles Wassersparen lenkt ab.

👉 Die Spree wird systematisch übernutzt – und die Kosten werden auf Gesellschaft und Natur abgewälzt, anstatt Konzerne zur Verantwortung zu ziehen.

Wer trägt die Verantwortung?

Wer profitiert – und wer zahlt

Der größte Wasserverbraucher Brandenburgs ist die Braunkohleindustrie, allen voran die LEAG (Lausitz Energie Aktiengesellschaft, der Braunkohlekonzern in der Lausitz).

Die LEAG:

  • nutzt jährlich über 100 Millionen Kubikmeter Grundwasser
  • leitet verschmutztes Wasser in die Spree
  • Zahlt keine Gebühren für die Wasserentnahme

Gleichzeitig zahlen:

  • Berliner Haushalte: 1,81 €/m³
  • Brandenburger Haushalte: 1,24–2,80 €/m³

👉 Während Konzerne profitieren, zahlen die Menschen – finanziell und ökologisch.